Ein CTG (Kardiotokografie, umgangssprachlich Wehenschreiber) zeichnet mit einem Gurt die Herzfrequenz deines Babys und mit einem zweiten die Spannung deiner Gebärmutter auf, meist 20 bis 40 Minuten lang. Vor der Geburt heißt es im Englischen Non-Stress-Test. Ein normales CTG hat eine Basalfrequenz von 110–160 Schlägen pro Minute (bpm), eine Oszillation von 5–25 bpm, Akzelerationen und keine wiederholten Dezelerationen.
Hier erfährst du, was jedes dieser Wörter auf deinem Befund bedeutet, wann ein Non-Stress-Test als reaktiv gilt, warum das CTG manchmal viel länger dauert als geplant und wie sich der Fischer-Score zusammensetzt. Dazu gibt es einen Leser für die Zahlen auf deinem Befund und einen Vergleich, ab wann verschiedene Länder ein CTG vorsehen.
Die kurze Antwort: Die FIGO nennt ein CTG normal, wenn die Basalfrequenz bei 110–160 bpm liegt, die Oszillation bei 5–25 bpm und es keine sich wiederholenden Dezelerationen gibt. Vor der Geburt ist ein Non-Stress-Test reaktiv, wenn die Herzfrequenz mindestens 2-mal in 20 Minuten um 15 bpm für 15 Sekunden ansteigt (vor SSW 32: 10 bpm für 10 Sekunden). Schläft das Baby, sieht auch ein gesundes CTG flach aus, deshalb wird es oft auf 40 Minuten verlängert. In Deutschland gibt es ein CTG nur mit Indikation, laut Mutterschafts-Richtlinie frühestens ab SSW 26.
Was ein CTG aufzeichnet
Du liegst halb sitzend oder auf der Seite, und deine Hebamme oder eine Pflegekraft legt dir zwei flache Scheiben mit Gurten auf den Bauch. Eine sitzt dort, wo die Herztöne deines Babys am besten zu hören sind, und misst die Herzfrequenz per Doppler-Ultraschall. Die andere ist ein Drucksensor (Tokodynamometer) nahe dem oberen Rand der Gebärmutter, der die Wehen registriert. Das Gerät zeichnet beides als Linien auf Papier oder einen Bildschirm: oben die Herzfrequenz, unten die Wehen. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, im letzten Drittel der Schwangerschaft in Linksseitenlage zu liegen, damit die Gebärmutter nicht auf die große Vene dahinter drückt und dir nicht schwindelig wird.
Entscheidend ist die Linie der Herzfrequenz. Die untere Linie zeigt, wie oft sich deine Gebärmutter zusammenzieht, auch Übungswehen, die du vielleicht nicht spürst. Die FIGO betont, dass dieser Sensor zuverlässig die Häufigkeit der Wehen zeigt, nicht ihre Stärke.
CTG lesen: die vier Merkmale
Wer dein CTG beurteilt, schaut sich vier Merkmale der Herzfrequenzlinie an, in dieser Reihenfolge. Der FIGO-Konsens von 2015, den die deutsche S3-Leitlinie vorschreibt, ordnet das ganze CTG dann als normal, suspekt oder pathologisch ein.
| Merkmal | Normal | Suspekt | Pathologisch |
|---|---|---|---|
| Basalfrequenz | 110–160 bpm | Mindestens ein normales Merkmal fehlt, aber kein Merkmal ist pathologisch | Unter 100 bpm |
| Oszillation | 5–25 bpm | Unter 5 bpm länger als 50 min, über 25 bpm länger als 30 min oder sinusoidales Muster länger als 30 min | |
| Dezelerationen | Keine sich wiederholenden Dezelerationen | Wiederholte späte oder prolongierte Dezelerationen länger als 30 min (20 min bei eingeschränkter Oszillation) oder eine prolongierte Dezeleration über 5 min | |
| Was es nahelegt | Kein Sauerstoffmangel | Geringe Wahrscheinlichkeit für Sauerstoffmangel | Hohe Wahrscheinlichkeit für Sauerstoffmangel |
Quelle: FIGO-Konsensus zur intrapartalen fetalen Überwachung, Kardiotokografie (Ayres-de-Campos et al. 2015), Tabelle 1; ebenso abgedruckt in der S3-Leitlinie 015/089. Dezelerationen gelten als wiederholt, wenn sie bei mehr als 50 % der Wehen auftreten. Akzelerationen fließen nicht in die Einstufung ein.
Basalfrequenz
Die Basalfrequenz (Baseline) ist die durchschnittliche Herzfrequenz über etwa zehn Minuten, ohne Anstiege und Abfälle. Normal sind 110–160 bpm. Früher in der Schwangerschaft liegen Babys eher am oberen Rand, nach dem Termin eher am unteren, deshalb können 100–109 bpm nach SSW 40 normal sein. Eine Basalfrequenz über 160 bpm, die länger als 10 Minuten anhält, nennt die FIGO Tachykardie, und als häufigste Ursache nennt sie Fieber der Mutter. Wie sich die Herzfrequenz über die Schwangerschaft verändert, zeigt die Seite zur Herzfrequenz des Babys nach SSW.
Oszillation
Die Oszillation (Variabilität, Bandbreite) ist das feine, ständige Schwanken der Linie um die Basalfrequenz, gemessen als Abstand zwischen höchstem und tiefstem Punkt pro Minute. Ein gesundes Nervensystem passt die Herzfrequenz laufend an, deshalb gehört eine normale Bandbreite von 5–25 bpm zu den beruhigendsten Zeichen auf dem Streifen. Im Tiefschlaf liegt sie am unteren Rand des Normalen, und manche Medikamente, etwa Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide, flachen sie ebenfalls ab.
Akzelerationen
Akzelerationen sind kurze Anstiege um mehr als 15 bpm über mehr als 15 Sekunden, meist wenn sich das Baby bewegt. Vor SSW 32 sind sie kleiner, dann zählen 10 bpm über 10 Sekunden. NICE schreibt, dass Akzelerationen in der Regel zeigen, dass das Baby gesund ist, während ihr Fehlen in einem sonst normalen CTG keinen Sauerstoffmangel bedeutet. Deshalb lässt die FIGO sie bei der Einstufung weg, beim Non-Stress-Test entscheiden aber genau sie über das Ergebnis.
Dezelerationen
Dezelerationen sind Abfälle um mehr als 15 bpm unter die Basalfrequenz über mehr als 15 Sekunden. Form und Zeitpunkt sind wichtiger als die Tiefe:
- Frühe Dezelerationen (Dip I) sind flach, spiegeln jede Wehe und entstehen durch Druck auf den Kopf des Babys unter der Geburt. Sie sind harmlos.
- Variable Dezelerationen fallen und erholen sich schnell, V-förmig, und sind unter der Geburt die häufigsten. Meist entstehen sie durch kurzes Abdrücken der Nabelschnur. NICE rät zu genauerem Hinsehen, wenn sie länger als 60 Sekunden dauern, sich langsam erholen oder mit anderen Veränderungen auftreten.
- Späte Dezelerationen (Dip II) beginnen nach dem Wehengipfel und erholen sich erst nach dem Ende der Wehe, U-förmig. Sie deuten darauf hin, dass das Baby auf Sauerstoffmangel reagiert, und gehören immer ärztlich beurteilt.
- Prolongierte Dezelerationen dauern länger als 3 Minuten. Eine, die über 5 Minuten geht, ist nach FIGO pathologisch, und es wird sofort gehandelt.
Wie NICE dasselbe CTG liest
Im Vereinigten Königreich markiert die Leitlinie NICE NG229 jedes Merkmal weiß, gelb oder rot. Eine Basalfrequenz von 110–160 bpm ist weiß, 100–109 bpm oder ein Anstieg um 20 bpm seit Geburtsbeginn gelb, unter 100 oder über 160 bpm rot. Eine Oszillation unter 5 bpm ist für 30–50 Minuten gelb und danach rot, und eine einzelne Dezeleration von 3 Minuten oder mehr ist rot. Das CTG ist normal, wenn alles weiß ist, suspekt bei einem gelben Merkmal und pathologisch bei einem roten oder zwei gelben.
Reaktiver und nicht reaktiver Non-Stress-Test
Vor der Geburt ist die Frage einfacher: Steigt die Herzfrequenz, wenn sich das Baby bewegt? Die amerikanische Fachgesellschaft ACOG nennt den Test reaktiv, wenn in 20 Minuten mindestens 2 Akzelerationen auftreten, und wertet das als beruhigend für den Moment. Ein nicht reaktiver Test hat auch nach 40 Minuten zu wenige Akzelerationen.
Meist heißt ein nicht reaktives Ergebnis, dass das Baby geschlafen hat. Die FIGO schreibt, dass ab SSW 32 bis 34 der Tiefschlaf des Ungeborenen bis zu 50 Minuten dauern kann, mit sehr wenigen Akzelerationen und einer Oszillation am unteren Rand. Dann wird das CTG verlängert oder das Baby mit einem kleinen Schallgerät am Bauch geweckt. Ein Cochrane-Review mit 12 Studien und 6822 Frauen fand, dass dieser Schall- und Vibrationsreiz nicht reaktive Ergebnisse seltener macht und den Test verkürzt. Bleibt das CTG trotzdem nicht reaktiv, nennt die ACOG das biophysikalische Profil als einen der nächsten Schritte: einen Ultraschall, der zur Herzfrequenz Atembewegungen, Bewegungen, Muskeltonus und Fruchtwasser hinzunimmt.
CTG-Befund-Leser
Trag ein, was auf deinem Befund steht. Der Leser vergleicht jede Zahl mit der veröffentlichten Definition genau dieses Merkmals und zeigt dir, was die Leitlinien dazu sagen. Er bewertet nicht dein ganzes CTG: Das tun deine Ärztin, dein Arzt oder deine Hebamme mit Blick auf die Kurve selbst, die keine Zahlenreihe ersetzt.
Was die Leitlinien zu jeder Zahl sagen
Egal, was die Zahlen sagen: Bewegt sich dein Baby weniger als sonst, ruf sofort deine Hebamme oder den Kreißsaal an, auch wenn dein letztes CTG unauffällig war.
Der Fischer-Score
Manche CTG-Befunde in Deutschland, der Ukraine, Russland und Polen enthalten eine Punktzahl bis 10. Sie geht auf Fischer und Kollegen zurück, die 1976 vorschlugen, ein CTG vor der Geburt so zu bewerten wie der Apgar-Score ein Neugeborenes: fünf Merkmale mit je 0, 1 oder 2 Punkten. 8 bis 10 Punkte sind unauffällig, 5 bis 7 grenzwertig mit Wiederholung oder längerer Aufzeichnung, 4 oder weniger ein Warnzeichen, das ärztlich beurteilt werden muss.
Die fünf Merkmale sind die Grundfrequenz, die Bandbreite der Oszillationen, die Zahl der Nulldurchgänge, Akzelerationen und Dezelerationen. Welche Werte pro Merkmal 0, 1 oder 2 Punkte bringen, steht nicht in jedem Lehrbuch gleich: Deutsche und russischsprachige Quellen nennen unterschiedliche Grenzen, und keine davon konnten wir mit Fischers Originaltabelle von 1976 abgleichen. Deshalb zeigt diese Seite keine Tabelle mit Punkten pro Merkmal. Stehen auf deinem Befund Punkte pro Merkmal, kann dir die Person, die das CTG bewertet hat, sagen, nach welcher Version sie gezählt hat. Einig sind sich alle Versionen darin, dass 8 bis 10 Punkte unauffällig sind.
Die Leitlinien sind inzwischen weiter: Die S3-Leitlinie von 2023 schreibt vor, ein CTG nach der FIGO-Einteilung zu bewerten, und die S1-Leitlinie nennt sie den einzigen Score mit breitem Konsens. Stehen auf deinem Befund ein Fischer-Score und eine FIGO-Einstufung, richtet sich deine Ärztin oder dein Arzt nach der FIGO-Einstufung.
Computer-CTG und Dawes-Redman-Kriterien
Viele Kliniken, besonders im Vereinigten Königreich, lassen das CTG vor der Geburt von einem Programm nach den Dawes-Redman-Kriterien auswerten. Das Programm prüft das CTG anhand von zehn Kriterien. Sind alle erfüllt, druckt es „Kriterien erfüllt“, und die Aufzeichnung kann enden, oft deutlich früher als geplant. Die deutsche S1-Leitlinie hält eine Verkürzung auf 10 Minuten für möglich. Sind die Kriterien nach 60 Minuten nicht erfüllt, druckt es „Kriterien nicht erfüllt“ und rät, eine erfahrene Person hinzuzuziehen. „Nicht erfüllt“ heißt, dass ein Mensch auf die Kurve schauen muss, nicht, dass es dem Baby schlecht geht. Solche Befunde enthalten oft die Kurzzeitvariation (STV) in Millisekunden, die das Programm aus den Abständen zwischen den Herzschlägen berechnet.
Wie das CTG abläuft und wie lange es dauert
Ein CTG dauert mindestens 20 Minuten, die deutsche Leitlinie nennt 30 Minuten als übliche Mindestdauer. Plan ruhig bis zu einer Stunde ein: Schläft dein Baby, läuft die Aufzeichnung weiter, bis es aufwacht. Es wird nichts gespritzt und es werden keine Wehen ausgelöst. Geh vorher auf die Toilette, iss wie gewohnt und nimm dir etwas zu tun mit.
Ein süßes Getränk vorher ist ein beliebter Tipp, aber ein Cochrane-Review mit 2 Studien und 708 Frauen fand, dass Traubenzucker nicht reaktive Ergebnisse nicht verringert. Unter der Geburt empfiehlt NICE ein durchgehendes CTG bei Risikofaktoren wie einem früheren Kaiserschnitt, behandlungsbedürftigem Bluthochdruck, Diabetes Typ 1 oder 2, medikamentös behandeltem Schwangerschaftsdiabetes, Blutungen oder Zeichen einer Infektion. Sonst hört die Hebamme die Herztöne in Abständen ab. Wann es losgeht, zeigt dir unser Wehen-Timer, und bei regelmäßigen Wehen gilt: Ruf deine Hebamme an.
Ab wann gibt es ein CTG?
Das hängt vom Land ab, denn die Leitlinien sind sich nicht einig, ob eine gesunde Schwangerschaft eines braucht:
- Deutschland: Die Mutterschafts-Richtlinie erlaubt ein CTG nur mit Indikation, aufgeführt in Anlage II: erstmals in SSW 26–27 bei drohender Frühgeburt oder ab SSW 28 bei auffälligen Herztönen oder Verdacht auf vorzeitige Wehen, wiederholt unter anderem bei Zwillingen, Verdacht auf Plazentainsuffizienz, Blutungen oder Terminüberschreitung. Die S3-Leitlinie von 2023 rät bei niedrigem Risiko vom CTG vor der Geburt ab.
- WHO: Ein routinemäßiges CTG in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, um die Ergebnisse für Mutter und Kind zu verbessern.
- Vereinigtes Königreich: kein routinemäßiges CTG vor der Geburt. NICE rät, dich ab SSW 24 jederzeit in der Klinik zu melden, wenn dich die Kindsbewegungen beunruhigen; laut NHS werden dort Bewegungen und Herztöne geprüft.
- USA: Laut ACOG beginnen die Tests bei Frauen mit einem Grund dafür, etwa Diabetes, Bluthochdruck, weniger Kindsbewegungen oder einer Schwangerschaft über 42 Wochen, meist in SSW 32–34.
- Russland: Die klinischen Empfehlungen sehen ab SSW 32 alle 2 Wochen ein CTG vor.
- Ukraine: Die nationale Leitlinie folgt der WHO und empfiehlt kein routinemäßiges CTG.
- Polen: Der Standard der perinatalen Versorgung sieht ein CTG direkt nach SSW 40 vor, bei normalem Befund wiederholt nach 7 Tagen.
Wo auch immer du lebst: Ein CTG gibt es, wenn es einen Anlass gibt, etwa weniger Kindsbewegungen, eine Blutung, Bluthochdruck, ein Baby, das zu klein misst, oder eine Terminüberschreitung. Unser Überblick über die Vorsorgeuntersuchungen ordnet das CTG zwischen allen anderen Untersuchungen ein.
Warum ein Routine-CTG bei gesunder Schwangerschaft nicht empfohlen wird
Ein Cochrane-Review mit 6 Studien und 2105 Frauen, alle mit Risikoschwangerschaft, fand keinen klaren Beleg, dass das CTG vor der Geburt die Ergebnisse für Babys verbessert. Mit Verweis auf diesen fehlenden Nutzen schon bei erhöhtem Risiko rät die WHO vom Routine-CTG bei gesunden Schwangerschaften ab. Ein unnötiges CTG hat auch seinen Preis: Die FIGO schreibt, dass ein routinemäßiges Aufnahme-CTG im Kreißsaal bei Frauen mit niedrigem Risiko mit mehr Kaiserschnitten verbunden war, ohne bessere Ergebnisse. Die S3-Leitlinie von 2023 sagt es klar: kein antepartales CTG bei niedrigem Risiko.
Das alles gilt nicht, wenn sich etwas verändert hat. Bewegt sich dein Baby weniger, nach einem Sturz oder einer Blutung oder wenn der Blutdruck steigt, ist das CTG genau die richtige Untersuchung.
CTG zu Hause und Telemonitoring
Manche Kliniken geben Frauen mit Risikoschwangerschaft ein kabelloses CTG-Gerät mit nach Hause; sie zeichnen selbst auf und schicken die Kurve zur Auswertung an die Klinik. Eine Übersichtsarbeit von 2026 mit 39 Studien und 7240 Teilnehmerinnen fand das Heim-CTG nicht schlechter als das in der Klinik, bei allerdings geringer Aussagekraft der Daten. Das ist Versorgung unter Aufsicht deiner Klinik. Mit einem online gekauften Heim-Doppler hat es nichts zu tun: Davon rät der NHS ab, weil ein gehörter Herzschlag nicht zeigt, dass es dem Baby gut geht.
Wann du noch am selben Tag im Kreißsaal anrufen solltest
Ruf sofort deine Hebamme oder den Kreißsaal deiner Klinik an, auch nachts, wenn: dein Baby sich weniger bewegt als sonst oder sich das Muster seiner Bewegungen verändert hat; du eine vaginale Blutung hast; Flüssigkeit aus der Scheide abgeht; du vor SSW 37 regelmäßige, schmerzhafte Wehen hast; oder du starke oder anhaltende Bauchschmerzen hast. Warte nicht auf einen geplanten CTG-Termin und entscheide nicht mit einem Heim-Doppler. Bei starker Blutung oder wenn du ohnmächtig wirst, ruf 112.
Ein unauffälliges CTG beschreibt dein Baby am Tag der Untersuchung, nicht die Tage danach. Weniger Kindsbewegungen brauchen deshalb immer eine neue Kontrolle. Unser Ratgeber zu den Kindsbewegungen erklärt, worauf du achten kannst. Bei allen anderen Fragen zu deinem Befund: Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein CTG?
Mindestens 20 Minuten; die deutsche Leitlinie nennt 30 Minuten als übliche Mindestdauer. Schläft dein Baby und gibt es zu wenige Akzelerationen, wird auf 40 Minuten und länger verlängert: Laut FIGO kann der Tiefschlaf des Ungeborenen bis zu 50 Minuten dauern. Ein computerisiertes CTG endet, sobald seine Kriterien erfüllt sind, spätestens nach 60 Minuten.
Ab welcher SSW wird ein CTG gemacht?
Nach der Mutterschafts-Richtlinie nur bei einer Indikation: ab SSW 26–27 bei drohender Frühgeburt, ab SSW 28 etwa bei auffälligen Herztönen oder Verdacht auf vorzeitige Wehen, und wiederholt zum Beispiel bei Zwillingen oder Terminüberschreitung. Ein routinemäßiges CTG bei jeder Vorsorge sieht die Richtlinie nicht vor.
Was misst ein CTG und zeigt es Wehen?
Ein Schallkopf misst die Herzfrequenz deines Babys, ein zweiter Sensor die Spannung der Gebärmutter. Auf dem Streifen siehst du deshalb auch Wehen, die du nicht spürst, etwa Übungswehen. Die FIGO weist darauf hin, dass dieser Sensor zuverlässig zeigt, wie oft Wehen kommen, aber nicht, wie stark sie sind. Ausgelöst werden beim CTG keine Wehen.
Was bedeutet ein suspektes CTG?
Nach FIGO fehlt einem suspekten CTG mindestens ein normales Merkmal, etwa bei einer Basalfrequenz von 100 bis 109 bpm, ohne dass ein pathologisches vorliegt. Die FIGO beschreibt das als geringe Wahrscheinlichkeit für Sauerstoffmangel beim Baby. Behoben wird, was sich beheben lässt, etwa die Lage oder Fieber, dann wird weiter überwacht oder ein anderer Test ergänzt. Es ist ein Grund für engere Kontrolle, kein Notfall.
Was bedeuten 8 Punkte im Fischer-Score?
Der Fischer-Score vergibt für fünf CTG-Merkmale je 0 bis 2 Punkte, maximal 10. 8 bis 10 Punkte gelten als unauffällig, 5 bis 7 als grenzwertig mit Kontrolle, 4 oder weniger als Warnzeichen. Die aktuelle S3-Leitlinie verlangt allerdings die Bewertung nach FIGO; steht beides auf deinem Befund, zählt für deine Ärztin oder deinen Arzt die FIGO-Einstufung.
Warum gibt es nicht bei jeder Vorsorge ein CTG?
Weil kein Nutzen belegt ist. Ein Cochrane-Review mit 2105 Frauen, alle mit erhöhtem Risiko, fand keinen klaren Beleg, dass das CTG vor der Geburt die Ergebnisse für Babys verbessert. Die S3-Leitlinie von 2023 rät bei niedrigem Risiko deshalb vom antepartalen CTG ab. Bei weniger Kindsbewegungen, Blutungen oder Bluthochdruck ist es dagegen genau die richtige Untersuchung.
Soll ich vor dem CTG etwas essen?
Iss ganz normal, aber erwarte nicht, dass ein süßes Getränk das Ergebnis ändert. Ein Cochrane-Review mit 2 Studien und 708 Frauen fand, dass Traubenzucker vor dem Test nicht reaktive Ergebnisse nicht verringert. Was hilft, ist ein Schall- oder Vibrationsreiz: In 12 Studien senkte er die Zahl nicht reaktiver Tests und verkürzte die Untersuchung.
CTG in der Schwangerschaft auf einen Blick
Ein CTG zeichnet die Herzfrequenz deines Babys über der Wehenlinie auf. Gelesen wird es an vier Merkmalen: Basalfrequenz 110–160 bpm, Oszillation 5–25 bpm, Akzelerationen und Dezelerationen, bei denen Form und Zeitpunkt zählen. Ein Non-Stress-Test ist reaktiv mit 2 Akzelerationen in 20 Minuten; ein schlafendes Baby ist der übliche Grund, wenn nicht. Ein Fischer-Score von 8–10 ist unauffällig, maßgeblich ist heute aber die FIGO-Einstufung. In Deutschland gibt es ein CTG nur mit Indikation, doch weniger Kindsbewegungen brauchen immer eine Kontrolle am selben Tag.
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Weiterlesen
Quellen
- Ayres-de-Campos et al., FIGO-Konsensus zur intrapartalen fetalen Überwachung: Kardiotokografie (2015)
- NICE NG229 — Fetale Überwachung unter der Geburt: Empfehlungen
- ACOG — Spezielle Tests zur Überwachung des kindlichen Wohlbefindens
- Fischer, Stude und Brandt, Zeitschrift für Geburtshilfe und Perinatologie 1976 — Ein Vorschlag zur Beurteilung des antepartualen Kardiotokogramms
- Ultrasound in Obstetrics & Gynecology 2025 — Bewertung des computerisierten antepartalen CTG: Dawes-Redman-Algorithmus am Termin
- Grivell et al., Cochrane-Review 2015 — Antepartale Kardiotokografie zur Beurteilung des Fetus
- Tan und Sabapathy, Cochrane-Review 2012 — Glukosegabe an die Mutter vor Tests des fetalen Wohlbefindens
- Tan et al., Cochrane-Review 2013 — Vibroakustische Stimulation des Fetus bei Tests des fetalen Wohlbefindens
- PLOS Digital Health 2026 — Heim-CTG mit Fernauswertung: systematischer Review und Metaanalyse
- WHO — Empfehlungen zur Schwangerenvorsorge für eine positive Schwangerschaftserfahrung (2016), Empfehlung B.2.3
- NICE NG201 — Schwangerenvorsorge: Empfehlungen
- DGGG, DEGUM, OEGGG und SGGG, S3-Leitlinie 015/089 — Fetale Überwachung in der Schwangerschaft (2023)
- DGGG, S1-Leitlinie 015/036 — Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt
- G-BA — Mutterschafts-Richtlinie, Anlage II: Indikationen zur Kardiotokografie
- Russisches Gesundheitsministerium — Klinische Empfehlungen „Normale Schwangerschaft“ (2023)
- Gesundheitsministerium der Ukraine — Klinische Leitlinie „Normale Schwangerschaft“ (2022)
- Polen — Organisationsstandard der perinatalen Versorgung, Dziennik Ustaw 2026, Pos. 1140
- NHS — Die Bewegungen deines Babys
Baby Novum ist ein Informations- und Aufzeichnungswerkzeug, kein Medizinprodukt, und stellt keine Diagnosen und keine Behandlung. Sprich zu allen Fragen deiner Schwangerschaft mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.