Ein Geburtsplan ist ein einseitiges Dokument, das deinem Betreuungsteam sagt, wie du dir die Geburt wünschst — Schmerzlinderung, wer bei dir sein soll, deine Positionen, wer das Baby zuerst hält, was gelten soll, wenn alles anders kommt. Er ist kein Vertrag, er garantiert nichts, und er sollte sich nie einengend anfühlen. Richtig gemacht ist er das nützlichste Blatt Papier in deiner Kliniktasche.
Dieser Ratgeber gibt dir eine vollständige, fachlich abgestimmte Geburtsplan-Vorlage zum Übernehmen, Ausfüllen und Ausdrucken. Wir gehen jeden Abschnitt durch, der zählt — auch die, die beim ersten Kind meistens vergessen werden —, dazu echte Beispiele dafür, was du schreibst und was besser nicht.
Kurzfassung: eine Seite, höchstens zwei. Schreib ihn zwischen SSW 32 und 36. Besprich ihn beim Termin in SSW 36 mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Nenne deine Wünsche, deinen Plan B, falls sich etwas ändert, und deine Vorstellungen für die erste Stunde mit dem Baby. Nimm drei Ausdrucke mit in die Klinik.
Warum sich ein Geburtsplan lohnt, auch wenn es anders kommt
Manche sagen: „Geburtspläne bringen nichts, weil eine Geburt sowieso selten nach Plan läuft.“ Das geht am Punkt vorbei. Der Wert steckt nicht im Dokument selbst, sondern darin:
- Du beschäftigst dich vorher mit den Entscheidungen — Möglichkeiten der Schmerzlinderung, Geburtspositionen, wer dabei ist, was passiert, wenn dies oder jenes eintritt
- Du und deine Begleitperson seid euch einig, gerade für die Momente, in denen du selbst nicht sprechen kannst
- Du kommunizierst schnell beim Schichtwechsel — die Hebamme, die acht Stunden bei dir war, geht vielleicht nach Hause, bevor dein Baby da ist
- Du dokumentierst deine Einwilligungen — Eingriffe, Dammschnitt, Art der Einleitung
Wann du deinen Geburtsplan schreibst
Wenn dein Baby zu diesem Zeitpunkt in Beckenendlage liegt, schreib dieses Szenario mit hinein — auch, was passieren soll, wenn die Geburt vor einem geplanten Kaiserschnitt losgeht. Die Erstausstattung gehört in dieselben Wochen.
Die meisten schreiben ihren Geburtsplan zwischen SSW 32 und 36. Spät genug, dass du den Kreißsaal gesehen, den Geburtsvorbereitungskurs besucht hast und dich informiert fühlst; früh genug, um ihn bei einem Vorsorgetermin zu besprechen und noch zu überarbeiten. Nimm einen Entwurf zum Termin in SSW 36 mit und geh ihn gemeinsam durch — deine Hebamme oder deine Frauenärztin sagt dir, was an deiner Klinik nicht machbar ist, und ergänzt oft Dinge, an die du nicht gedacht hast.
Mehr zur Vorbereitung im letzten Drittel steht in unserem Ratgeber zum dritten Trimester.
Die Geburtsplan-Vorlage — Abschnitt für Abschnitt
Übernimm die Struktur unten. Lass jeden Abschnitt weg, der auf dich oder deine Klinik nicht zutrifft.
Abschnitt 1 — Über mich
Fang mit dem Nötigsten an, damit sich eine Hebamme, die dich zum ersten Mal sieht, schnell orientieren kann.
- Dein Name, dein Alter und der Name deiner Begleitperson
- Errechneter Geburtstermin und aktuelle Schwangerschaftswoche
- Das ist meine erste / zweite / dritte Schwangerschaft
- Allergien (besonders auf Latex, Antibiotika, Narkosemittel)
- Besonderheiten der Schwangerschaft oder relevante Vorgeschichte (Schwangerschaftsdiabetes, niedrige Thrombozyten, Kaiserschnitt in der Vorgeschichte und so weiter)
- Sprachen — sag Bescheid, wenn du eine Dolmetscherin möchtest
Abschnitt 2 — Begleitpersonen
Halte fest, wer bei dir sein soll und welche Rolle diese Person hat.
- „Meine Begleitperson ist [Name] — sie bleibt während der gesamten Geburt bei mir.“
- „Ich hätte gern zusätzlich [Doula / meine Mutter / eine Freundin] dabei, wenn es möglich ist.“
- Wenn du allein kommst: nenne Wünsche dazu, wer dabei sein soll
- Ob deine Begleitperson die Nabelschnur durchtrennen möchte
- Ob fotografiert werden darf und von wo im Raum
Abschnitt 3 — Umgebung
Kleinigkeiten, die spürbar verändern, wie sich eine Geburt anfühlt.
- Licht — gedimmt, wenn möglich
- Musik — ja / nein, eigene Playlist
- Aromatherapie und ätherische Öle (nach Absprache mit der Klinik)
- TENS-Gerät — eigenes mitgebracht oder ausgeliehen
- So wenige Menschen im Raum, wie fachlich nötig
- Ich möchte, dass sich das Personal vorstellt und Maßnahmen vorher erklärt
Abschnitt 4 — Bewegung und Geburtspositionen
Sag, wie du dich bewegen möchtest.
- Ich möchte in der frühen Phase in Bewegung bleiben — gehen, Gymnastikball, über das Bett gelehnt
- Bevorzugte Positionen: Stehen, Knien, Vierfüßlerstand, Seitenlage, Hocken
- Vermeiden: flach auf dem Rücken, außer es ist fachlich nötig
- Ich möchte die Gebärwanne oder die Dusche nutzen, wenn sie frei ist
- Ich möchte die Position wechseln können, wie die Geburt voranschreitet
Abschnitt 5 — Schmerzlinderung
Nenne deine Wünsche in der Reihenfolge, in der du sie möchtest. Kliniken mögen konkrete Angaben.
Beispiel: „Ich möchte mit Atemtechniken und dem TENS-Gerät anfangen. Wenn ich mehr brauche, würde ich als Nächstes Lachgas probieren. Opioide möchte ich lieber vermeiden, bin aber offen für eine PDA, wenn die Geburt lang oder sehr intensiv wird. Bitte bietet mir keine Schmerzmittel an, solange ich nicht danach frage.“
- Reihenfolge: Atmung → TENS → warmes Wasser → Lachgas → Opioide → PDA
- Ob dir Schmerzlinderung aktiv angeboten werden soll oder ob du danach fragst
- Bei einer PDA — Wünsche dazu (mobil oder klassisch, wer aufklärt)
- Was du ausdrücklich vermeiden möchtest (zum Beispiel „lieber kein Pethidin“)
Abschnitt 6 — Überwachung
Wie soll die Herzfrequenz deines Babys kontrolliert werden?
- Zeitweise Kontrolle mit dem Doppler-Gerät, wenn das Risiko niedrig ist
- Dauer-CTG nur, wenn es fachlich nötig ist
- Kabelloses CTG, wenn vorhanden, damit ich aufrecht bleiben kann
Abschnitt 7 — Geburt und Pressphase
Wenn es ans Pressen geht.
- Ich möchte pressen, wenn ich den Drang spüre, statt angeleitet zu pressen
- Bevorzugte Positionen: aufrecht, kniend, Seitenlage, Hocken
- Ich hätte gern einen Spiegel, um den Kopf zu sehen (oder: „bitte keinen Spiegel“)
- Dammschnitt nur, wenn medizinisch nötig, und nach Aufklärung
- Ich hätte gern warme Kompressen und Dammmassage, um Risse zu verringern
Abschnitt 8 — Abnabeln und Plazenta
- Spätes Abnabeln (mindestens 1 bis 3 Minuten, am liebsten bis die Nabelschnur auspulsiert hat)
- Wer die Nabelschnur durchtrennt — Begleitperson / ich / Hebamme
- Aktive oder abwartende Leitung der Nachgeburtsperiode — halte deine Wahl fest
- Ich möchte die Plazenta sehen / nicht sehen / mitnehmen
- Nabelschnurblut einlagern — ja / nein, Set mitgebracht
Abschnitt 9 — Die erste Stunde („die goldene Stunde“)
Das ist der Abschnitt, den Eltern beim ersten Kind am häufigsten vergessen.
- Haut-zu-Haut-Kontakt sofort nach der Geburt, ununterbrochen mindestens 1 Stunde
- Wiegen, Messen und die U1 nach Möglichkeit erst nach dem ersten Anlegen
- Ich möchte stillen / teilweise stillen / mit der Flasche füttern
- Ich hätte gern Unterstützung beim Anlegen in der ersten Stunde
- Bei Kaiserschnitt: Haut-zu-Haut-Kontakt schon im OP, wenn es uns beiden gut geht, sonst so schnell wie möglich danach
- Vitamin K — bei uns üblich sind Tropfen zu U1, U2 und U3; eine Injektion ist ebenfalls möglich. Halte fest, was du möchtest
- Hepatitis-B-Impfung direkt nach der Geburt — relevant, wenn dein Hepatitis-B-Test im Mutterpass positiv war
- Ich möchte, dass mein Baby immer bei mir bleibt, außer eine Trennung ist medizinisch nötig
Abschnitt 10 — Wenn es anders kommt (der Plan B)
Sei ausdrücklich bei den Szenarien, die du nicht vorhersagen kannst. Das ist der wichtigste Abschnitt.
- Wenn eine Einleitung empfohlen wird — mit welcher Methode (Eipollösung / Prostaglandin / Wehentropf), welches Gespräch ich vorher möchte
- Wenn eine vaginal-operative Geburt nötig wird (Zange oder Saugglocke) — Wünsche, soweit möglich
- Wenn ein Kaiserschnitt nötig wird — Begleitperson dabei, Sichtschutz für den Haut-zu-Haut-Kontakt absenken, Musik, Fotos, sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt mit der Begleitperson, falls ich nicht kann
- Wenn mein Baby besondere Betreuung braucht (Neonatologie) — ich möchte es sehen, bevor es geht; meine Begleitperson geht mit; ich möchte innerhalb von 6 Stunden Kolostrum gewinnen
- Wenn ich nicht für mich sprechen kann — meine Begleitperson spricht für mich; bitte besprecht Entscheidungen mit ihr
Abschnitt 11 — Nach der Geburt
- Familienzimmer / Einzelzimmer / Mehrbettzimmer — was du dir wünschst
- Besuch — wer und wann
- Wie lange ich bleiben möchte — ambulante Geburt / üblicher Aufenthalt / länger, wenn nötig
- Stillunterstützung — Stillberaterin oder IBCLC
- Wen man im Notfall erreicht
Was NICHT in deinen Geburtsplan gehört
Lass das weg — es kann nach hinten losgehen:
- Forderungen und absolute Sätze („Ich werde unter keinen Umständen einen Kaiserschnitt haben“) — sie können unsicher sein und erzeugen Reibung mit dem Team
- Lange Listen fachlicher Anweisungen — deine Hebamme kann ihren Beruf; vertrau ihr darin
- Alles über zwei Seiten — wird nicht gelesen
- Verzierungen im Einladungsstil — halt es sauber und überfliegbar; Stichpunkte schlagen Fließtext
- Entscheidungen, über die du dich nicht wirklich informiert hast — schreib, was du durchdacht hast, nicht, was du im Netz gefunden hast
Ein echtes Beispiel — erstes Kind, unkomplizierte Schwangerschaft
📋 Beispiel-Geburtsplan — Lena, 32, SSW 39
Über mich: Erstes Kind, Termin am 28. Mai. Allergien: Penicillin. Begleitperson: mein Mann Jonas.
Umgebung: Gedimmtes Licht, eigene Playlist über einen Bluetooth-Lautsprecher. So wenige Menschen im Raum wie möglich. Bitte stellt euch vor.
Bewegung: Ich möchte in Bewegung bleiben und die Gebärwanne nutzen, wenn sie frei ist. Flache Rückenlage vermeiden, außer es ist fachlich nötig.
Schmerzlinderung: Erst Atmung und TENS. Dann Lachgas, wenn nötig. Offen für eine PDA, wenn die Geburt sehr lang wird. Bitte nicht von selbst anbieten — ich frage danach.
Überwachung: Zeitweise, wenn das Risiko niedrig ist; kabelloses CTG, wenn Dauerüberwachung nötig wird.
Pressphase: Pressen nach eigenem Drang, aufrecht oder kniend. Warme Kompressen. Dammschnitt nur, wenn medizinisch nötig.
Nabelschnur: Spätes Abnabeln. Jonas durchtrennt sie. Aktive Leitung der Nachgeburtsperiode.
Erste Stunde: Sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt, mindestens 60 Minuten. Wiegen erst nach dem ersten Anlegen. Vitamin K als Tropfen zur U1. Ich hätte gern innerhalb von 12 Stunden eine Stillberaterin.
Wenn es anders kommt: Bei Kaiserschnitt ist Jonas dabei, Sichtschutz absenken, sofortiger Haut-zu-Haut-Kontakt mit ihm, falls ich nicht kann. Wenn unser Baby in die Neonatologie muss, geht Jonas mit. Jonas spricht für mich, wenn ich es nicht kann.
Praktische Tipps zum Dokument selbst
- Eine Seite, Stichpunkte, groß genug, um es auf einen Blick zu lesen. Schriftgröße 14 oder mehr.
- Druck drei Kopien — eine für die Akte, eine für die Hebamme, eine für dich und deine Begleitperson.
- Leg eine Kopie zu deinem Mutterpass in die Kliniktasche.
- Besprich ihn beim Termin in SSW 36 mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin.
- Zeig ihn deiner Begleitperson — sie sollte ihn so gut kennen wie du.
- Hab eine digitale Kopie auf dem Handy, falls der Ausdruck verloren geht.
Häufige Fragen zum Geburtsplan
Was ist ein Geburtsplan?
Ein Geburtsplan ist ein einseitiges Dokument, das deinem Betreuungsteam deine Wünsche für die Geburt mitteilt — Schmerzlinderung, wer bei dir sein soll, bevorzugte Positionen, was passieren soll, wenn sich etwas ändert, und wie du dir die erste Stunde mit deinem Baby vorstellst. Er ist ein Gesprächsanfang, kein Vertrag.
Wann sollte ich meinen Geburtsplan schreiben?
Die meisten schreiben ihn zwischen SSW 32 und 36. Früh genug, um ihn bei einem Vorsorgetermin mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin zu besprechen, und spät genug, dass du dich informiert und den Kreißsaal angesehen hast. Nimm einen Ausdruck zum Termin in SSW 36 mit und geh ihn gemeinsam durch.
Sollte mein Geburtsplan flexibel sein?
Ja — eine Geburt läuft selten genau nach Plan. Die besten Geburtspläne nennen Wünsche und sagen dann ausdrücklich, was gelten soll, wenn sich etwas ändert (vaginal-operative Geburt, Kaiserschnitt, Baby braucht besondere Betreuung). Schreib ihn als „Wünsche, wenn alles unkompliziert läuft“ und danach „Wünsche, falls nicht“.
Was gehört nicht in einen Geburtsplan?
Vermeide Forderungen und absolute Sätze („Ich werde unter keinen Umständen einen Kaiserschnitt haben“). Vermeide fachliche Anweisungen, die du ohnehin nicht durchsetzen kannst. Und vermeide mehr als ein bis zwei Seiten — was länger ist, wird in einem vollen Kreißsaal nicht gelesen.
Muss ich mich genau an meinen Geburtsplan halten?
Nein — und du solltest dich dazu auch nicht gedrängt fühlen. Ein Geburtsplan ist deine Ausgangsposition. Wenn sich unter der Geburt etwas ändert (dem Baby geht es nicht gut, es geht langsam voran, deine eigenen Wünsche verschieben sich), darfst du es dir jederzeit anders überlegen. Der Plan ist dazu da, dass dein Team dich kennt, nicht dazu, dich festzulegen.
Kann ich einen Geburtsplan für einen geplanten Kaiserschnitt schreiben?
Ja — und du solltest. Ein Geburtsplan für einen Kaiserschnitt regelt Dinge wie Musik im Saal, das Absenken des Sichtschutzes bei der Geburt, sofortigen Haut-zu-Haut-Kontakt (mit dir oder mit deiner Begleitperson), spätes Abnabeln, wenn die Klinik das anbietet, Fotos und Stillunterstützung direkt danach.
Was, wenn die Klinik etwas aus meinem Plan nicht anbieten kann?
Sprich das vorher beim Termin in SSW 36 oder beim Infoabend der Geburtsklinik an. Häufige Einschränkungen: keine freie Gebärwanne, kein kabelloses CTG, kein Haut-zu-Haut-Kontakt direkt im OP. Das vorher zu wissen, lässt dir Zeit, deine Wünsche anzupassen — oder, wenn es dir wirklich wichtig ist, über einen anderen Geburtsort nachzudenken.
Geburtsplan — auf einen Blick
Ein Geburtsplan ist eine einseitige Zusammenfassung deiner Wünsche für die Geburt. Schreib ihn zwischen SSW 32 und 36, besprich ihn mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin und nimm drei Ausdrucke mit in die Klinik. Deck das Grundsätzliche ab: Begleitperson, Umgebung, Schmerzlinderung, Überwachung, Geburtspositionen, Abnabeln, die erste Stunde mit deinem Baby. Und, ganz entscheidend, auch das, was du dir wünschst, wenn es anders kommt (Einleitung, vaginal-operative Geburt, Kaiserschnitt, Neonatologie). Vermeide Forderungen und absolute Sätze; halt ihn kurz, klar und überfliegbar. Es geht um Kommunikation, nicht um Kontrolle. Die besten Geburtspläne lassen dich vorbereitet fühlen, ohne dich festzunageln.
In Baby Novum: Mit dem Geburtsplan in der App füllst du jeden Abschnitt Schritt für Schritt aus. Speichern, mit deiner Begleitperson teilen und als PDF für die Kliniktasche exportieren.