Übungswehen oder echte Wehen? So erkennst du den Unterschied

Schwangerer Bauch in SSW 33 — die Wochen, in denen Übungswehen am häufigsten auffallen

Irgendwann im dritten Trimester wird dein Bauch hart, bleibt eine halbe Minute so und wird wieder weich. Danach kommt immer dieselbe Frage, und deshalb gibt es diese Seite: War das eine Wehe, und zählt sie? Übungswehen und beginnende Geburtswehen fühlen sich wirklich ähnlich an, und keine einzelne Kontraktion verrät dir, welche von beiden du gerade hattest.

Was sie unterscheidet, ist nicht, wie sich eine Wehe anfühlt, sondern was eine ganze Stunde davon macht. Dieser Beitrag erklärt, was Übungswehen sind und warum die Gebärmutter das überhaupt tut, die sechs Unterschiede, die sie zuverlässig von echten Wehen trennen, den 20-Minuten-Test, der die meisten Fälle zu Hause klärt, wie du eine Wehe so stoppst, wie deine Hebamme es meint, und welche Kontraktionen heute einen Anruf brauchen statt einer Stunde Abwarten.

Die kurze Antwort. Übungswehen sind unregelmäßige, unberechenbare Kontraktionen der Gebärmutter, die den Muttermund nicht öffnen. Sie dauern zwischen unter 30 Sekunden und etwa 2 Minuten, sie werden mit der Zeit nicht länger oder stärker, und sie lassen meist innerhalb von zwanzig Minuten nach, wenn du Wasser trinkst, die Blase leerst und die Position wechselst. Echte Geburtswehen werden länger, stärker und kommen dichter, egal was du tust — und sie hören nicht auf.

Was Übungswehen eigentlich sind

Die Gebärmutter ist ein Muskel, und sie wartet mit dem Training nicht bis zur Geburt. Kontraktionen dieser Art beginnen vermutlich schon um SSW 6 — lange bevor sie irgendjemand spüren könnte — und man nimmt an, dass sie den Muskel auf die Geburt vorbereiten und die Durchblutung der Plazenta unterstützen. Benannt sind sie nach John Braxton Hicks, dem englischen Arzt, der sie im 19. Jahrhundert beschrieben hat; daher hängt an etwas, das jede schwangere Gebärmutter tut, bis heute ein Eigenname.

Die meisten Frauen bemerken sie zuerst im zweiten oder dritten Trimester. Zum Termin hin werden sie häufiger — also genau dann am schwersten einzuordnen, wenn echte Wehen ebenfalls plausibel sind.

Im Deutschen kursieren mehrere Wörter nebeneinander, und das stiftet zusätzlich Verwirrung. Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen) sind das Training der Gebärmutter. Senkwehen in den letzten Wochen schieben dein Baby tiefer ins Becken. Vorwehen bereiten den Muttermund vor. Keine von ihnen eröffnet den Muttermund so, wie Geburtswehen es tun — und für die Entscheidung, ob du anrufst, zählt nur diese letzte Unterscheidung.

Das Einzige, was Übungswehen nicht tun, ist den Muttermund zu öffnen. Das ist kein Detail, das ist der ganze klinische Unterschied. Eine Wehe, die den Muttermund nicht verändert, ist keine Geburtswehe, so überzeugend sie sich auch anfühlt.

Wie sie sich anfühlen

Die übliche Beschreibung ist ein Hartwerden und kein Schmerz: Der Bauch zieht sich vorn zusammen, bleibt hart und wird wieder weich. Legst du die Hand darauf, spürst du den Unterschied deutlich. Manche Frauen haben dabei ein leichtes Ziehen wie bei der Periode; viele spüren gar nichts und bemerken nur die Härte.

Beschrieben werden sie typischerweise als unangenehm, nicht als schmerzhaft. Etwas, das dich mitten im Satz unterbrechen lässt, ist eine andere Sache und gehört in die Stoppübung weiter unten, nicht in diesen Absatz.

Die sechs Unterschiede, die es entscheiden

Lies diese Tabelle Zeile für Zeile und nicht spaltenweise. Eine einzelne Zeile entscheidet selten etwas; vier oder fünf, die in dieselbe Richtung zeigen, meistens schon.

Übungswehen Echte Geburtswehen
Rhythmus unregelmäßig und unberechenbar — 10 Minuten, dann 40, dann 3 regelmäßig, und die Abstände werden stetig kürzer
Dauer jedes Mal anders, von unter 30 Sekunden bis etwa 2 Minuten pendelt sich auf eine gleichbleibende Länge ein und wird länger
Stärke bleibt gleich oder lässt über die Stunde nach nimmt Stunde für Stunde zu
Wo du sie spürst vorn am Bauch, örtlich begrenzt beginnen meist im unteren Rücken und ziehen nach vorn herum
Reaktion auf Bewegung lassen mit Ruhe, Wasser, warmem Bad oder Positionswechsel nach machen weiter, egal was du versuchst
Wirkung auf den Muttermund keine öffnet und verkürzt ihn

Nur die letzte Zeile entscheidet wirklich, und prüfen kann sie nur eine Hebamme oder Ärztin. Alles darüber kannst du um 3 Uhr nachts selbst beurteilen — und genau deshalb zählt das Muster über eine Stunde mehr als jede einzelne Wehe.

Was sie auslöst

Übungswehen haben meist einen Auslöser, und deinen zu kennen ist wirklich nützlich: Aus einem beunruhigenden Ereignis wird damit ein berechenbares.

Wenn dein Bauch regelmäßig nach einem dieser Auslöser hart wird und sich danach wieder beruhigt, hast du deine Erklärung. Wenn es aus dem Nichts kommt und nicht aufhört, geh zum Stoppen über.

Der 20-Minuten-Test

Die meiste Unsicherheit löst sich mit drei Änderungen, weil jede davon einen häufigen Auslöser beseitigt. Echte Geburtswehen ignorieren alle drei.

Probier das aus und schau dann noch einmal

Was in den nächsten zwanzig Minuten nachlässt, waren Übungswehen. Was seinen Rhythmus behält — oder ihn verdichtet — verdient eine volle Stunde Stoppen und danach einen Anruf.

Wie du eine Wehe richtig stoppst

Fast alle machen es beim ersten Mal falsch, und der Fehler verändert die Antwort. Der Abstand, den deine Hebamme wissen will, wird vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten gemessen, nicht vom Ende der einen bis zum Beginn der nächsten. Falsch gemessen sehen Wehen im Abstand von fünf Minuten wie sieben aus, und du bleibst länger zu Hause, als du solltest.

Halte für jede Wehe drei Dinge fest: wann sie begonnen hat, wie lange sie gedauert hat und wie stark sie war — eine einfache Skala aus leicht / mittel / kann nicht sprechen reicht völlig. Eine Stunde davon ist eine echte Antwort. Zehn Minuten davon nicht.

Die Schwelle, auf die es am Termin ankommt, ist die 5-1-1-Regel: Wehen alle fünf Minuten, jede etwa eine Minute lang, über eine volle Stunde. Unser Beitrag zu den Anzeichen der Geburt beschreibt, was nach diesem Anruf passiert, und der Wehen-Timer übernimmt das Rechnen, wenn du es zwischen zwei Wehen nicht selbst tun willst.

Vor SSW 37 ist ein harter Bauch eine andere Frage

Alles oben gilt für eine Schwangerschaft am Termin. Vor SSW 37 ändert sich die Rechnung, denn dann schließt du eine Frühgeburt aus statt eines falschen Alarms — und eine drohende Frühgeburt ist zeitkritisch, ein falscher Alarm in SSW 39 nicht.

Ruf noch am selben Tag deine Hebamme, deine Ärztin oder die Geburtsklinik an, wenn du vor SSW 37 bist und Folgendes hast: regelmäßige Wehen oder ein regelmäßiges Hartwerden, Schmerzen wie bei der Periode, einen Schwall oder ein Rinnsal Flüssigkeit aus der Scheide oder Rückenschmerzen, die für dich untypisch sind.

Warte nicht ab, ob es sich beruhigt, und entschuldige dich nicht fürs Anrufen. Die Abklärung geht schnell, und beruhigt wieder nach Hause geschickt zu werden ist das erwartete Ergebnis.

Wann du am Termin anrufst

Ab SSW 37 brauchen Übungswehen selten einen Anruf. Das hier schon, unabhängig davon, wie das Muster aussieht:

Das Wichtigste in Kürze

Übungswehen sind die Gebärmutter beim Üben, kein Countdown. Sie sind unregelmäßig, unterschiedlich lang, gleichbleibend stark und reagieren auf Wasser, eine leere Blase und einen Positionswechsel — worauf echte Geburtswehen sich alle nicht einlassen. Stopp vom Beginn zum Beginn und über eine volle Stunde, bevor du irgendetwas entscheidest. Vor SSW 37 ist regelmäßiges Hartwerden ein Anruf noch am selben Tag und kein Rätsel für zu Hause. Und ein Anruf, der sich als falscher Alarm herausstellt, war trotzdem der richtige Anruf.

In Baby Novum. Der Wehen-Timer erfasst jede Kontraktion mit einem Tipp, führt die laufenden Mittelwerte für Länge und Abstand mit und schlägt 5-1-1-Alarm, sobald das Muster eine Stunde lang hält — die Entscheidung fällt also aus einer Stunde Daten und nicht aus den zwei Wehen, an die du dich gerade erinnerst.

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Häufige Fragen

Ab wann treten Übungswehen auf?

Man geht davon aus, dass sich die Gebärmutter schon ab etwa SSW 6 auf diese Weise zusammenzieht, nur spürt das so früh praktisch niemand. Die meisten Frauen bemerken Übungswehen zum ersten Mal im zweiten oder dritten Trimester, und in den letzten Wochen vor der Geburt werden sie üblicherweise häufiger und deutlicher.

Wie lange dauern Übungswehen?

Eine einzelne kann weniger als 30 Sekunden oder bis zu etwa 2 Minuten dauern, und die Länge wechselt von Mal zu Mal. Genau diese Unregelmäßigkeit ist der Punkt: Echte Geburtswehen finden eine gleichbleibende Länge, die mit der Zeit zunimmt, während Übungswehen unberechenbar bleiben.

Sind Übungswehen schmerzhaft?

Sie sind meist unangenehm, aber nicht schmerzhaft — der Bauch zieht sich zusammen und wird hart, dann lässt es von allein wieder nach. Manche Frauen beschreiben ein leichtes Ziehen wie bei der Periode. Wehen, die so stark sind, dass du nicht durch sie hindurch sprechen kannst, sind keine Übungswehen und gehören gestoppt.

Kann man Übungswehen mit echten Wehen verwechseln?

Ja, und das passiert sehr häufig — besonders beim ersten Kind. Eine einzelne Kontraktion sagt fast nichts aus. Was sie trennt, ist das Muster über eine Stunde: Echte Geburtswehen werden länger, stärker und kommen dichter, egal was du tust, während Übungswehen mit Ruhe, Wasser und einem Positionswechsel nachlassen.

Soll ich Übungswehen stoppen?

Stopp sie immer dann, wenn du unsicher bist. Das Stoppen macht aus einer diffusen Sorge eine Antwort, und es kostet eine Stunde. Gemessen wird vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten, nicht vom Ende der einen bis zum Beginn der nächsten — das ist die Zahl, nach der deine Hebamme fragen wird.

Welche Position hilft bei Übungswehen?

Ändere, was du gerade getan hast. Wenn du gestanden oder gelaufen bist, leg dich auf die linke Seite; wenn du still gelegen hast, steh auf und geh ein paar Schritte. Ein großes Glas Wasser, eine geleerte Blase und ein warmes Bad helfen ebenfalls, denn zu wenig getrunken zu haben und eine volle Blase sind häufige Auslöser.

Bedeuten Übungswehen, dass die Geburt nah ist?

Für sich genommen nicht. Sie werden in den letzten Wochen oft stärker und häufiger, aber sie öffnen den Muttermund nicht, und viele Frauen haben sie wochenlang, ohne dass die Geburt beginnt. Sie sind kein Countdown, sondern die Gebärmutter beim Üben.

Sind Übungswehen nach Sex oder nach Sport normal?

Ja. Sex, körperliche Anstrengung, schweres Heben, eine volle Blase und zu wenig Flüssigkeit sind alle als Auslöser bekannt. Ein Hartwerden, das auf einen dieser Auslöser folgt und sich innerhalb einer Stunde mit Ruhe und Trinken legt, verhält sich genau so, wie Übungswehen es tun.

Quellen

Alles in der App

Wehen mit einem Tipp stoppen

Der Wehen-Timer von Baby Novum erfasst jede Kontraktion mit einem Fingertipp, rechnet dir Länge und Abstand im Mittel aus und gibt einen 5-1-1-Alarm, sobald das Muster die Schwelle erreicht, auf die es deiner Hebamme ankommt.

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